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Narzissmus – Eine Persönlichkeitsstörung

Im Allgemeinen ist bekannt, dass Narzissmus keine schöne Eigenschaft ist. Es fallen Assoziationen wie Arroganz, Angeberei und Unfreundlichkeit ein. Manche wird überraschen, dass Narzissmus nicht ausschließlich negativ zu bewerten ist. Wie üblich mach die Dosis das Gift und gar keine narzisstische Eigenschaften zu besitzen, ist ebenfalls nicht zuträglich. Was jedoch ist denn nun eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und vor allem, wie narzisitsch bist du? Finde es heraus mit unserem Narzissmus-Persönlichkeitstest .

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Zusammenfassung

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist mit unter 1% selten in der Bevölkerung. Umso erschreckender ist die extrem hohe Suizidrate von 8% unter Betroffenen. Narzissten kennzeichnet eine grandiose Selbstüberschätzung, die zu Arroganz, Angeberei, antisozialem Verhalten und geringer Empathie führt. Der Narzisst glaubt, dass sein Verhalten aufgrund seines Bessersein gerechtfertigt sei. Darüber hinaus, jedoch verborgen, kennzeichnet Narzissten eine große Vulnerabilität - Verletzbarkeit. Die enorme Selbstüberschätzung ist vor allem auf ein geringes Selbstvertrauen zurückzuführen. Kann ein Narzisst seinen Selbstbetrug nicht aufrechterhalten, stürzt er in ein tiefe Lebenskrise. Da die Realität dazu neigt, nicht entsprechend unserer Vorstellungen zu verlaufen, ist die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Sturz unter Betroffenen hoch.

Symptome der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Der Begriff Narzissmus geht auf die griechische Sage rund um Narziss zurück. Narziss, ein Jüngling und Halbgott wurde dazu verdammt sich in sein Spiegelbild zu verlieben. Wobei „verlieben“ eigentlich das falsche Wort ist. Er wurde besessen von seinem Spiegelbild. Diese Selbstbesessenheit führte schließlich zu seinem Tod. Als psychologischer Begriff wurde Narziss bzw. Narzissmus 1898 erstmals verwendet (Pincus & Lukowitsky, 2010). Auch der Psychoanalytiker Freud nutzte den Begriff bereits 1914, allerdings um eine normale Lebensphase während der Kindheit zu beschreiben (Lammers, Vater & Roepke, 2013). Narzissmus ist nicht ausschließlich negativ zu bewerten. Wie immer gilt es die gesunde Mitte zu finden. Denn nicht nur eine zu starke Narzissmusausprägung ist ungesund, auch eine zu schwache.

In der Vergangenheit existierte eine rege Diskussion, ob Narzissmus als eine extreme Ausprägung einer Persönlichkeitsdimension zu betrachten ist, die bei allen Menschen zu finden ist. Somit würden sich der „ungesunde“ Narzissmus und der „gesunde“ Narzissmus auf einer gemeinsamen Skala befinden. Bei einem „richtigen“ Narzissten wäre der Narzissmuswert auf der besagten Skala nur um einiges höher. Die Alternative wäre, dass der „ungesunde“ Narzissmus eine eigene Dimension darstelle, die klar gentrennt vom „gesunden“ Narzismus existiert. Heute geht die Tendenz der wissenschaftlichen Diskussion hin zu nur einer Dimension, auf der „gesunder“ und „ungesunder“ Narzissmus zu finden sind. Wirklich abschließend ist die Frage allerdings noch nicht geklärt (Pincus & Lukowitsky, 2010).

Insgesamt kann die Symptomatik der narzisstischen Persönlichkeitsstörung in zwei Bereiche geteilt werden, der Grandiosität und der Vulnerabilität. Viele Messinstrumente konzentrieren sich allerdings auf die grandiose Symptomatik (Pincus & Lukowitsky, 2010), welche die klassischen bzw. bekannten narzisstischen Verhaltensweisen enthält.

Zur Grandiosität gehört die chronische Selbstüberschätzung. Narzissten überschätzen ihre eigene Leistung und auch Attraktivität weit über normale und gesunde Maße. Sie fühlen sich entsprechend anderen weit Überlegen und bringen daher oftmals nur wenig Empathie für andere auf. Ihr scheinbares Bessersein rechtfertige außerdem ihr sozial unverträgliches Verhalten (Lammers et al., 2013). Sie können als großspurig, arrogant, ausbeuterisch und aggressiv wahrgenommen werden. Es kommt vor, dass Narzissten hilfsbereites Verhalten zeigen, allerdings helfen sie nicht des Helfens willen, sondern um die eigene Tugendhaftigkeit und Gutherzigkeit oder die eigenen überlegenen Fähigkeiten zu präsentieren. Hinzu kommt, dass Narzissten regelmäßig Fantasien von unbegrenzter Macht und von der eigenen Überlegenheit nachhängen. (Pincus & Lukowitsky, 2010). Richtig interessant ist allerdings die vulnerable Symptomatik.

Vulnerabilität oder Verletzbarkeit stellt letztendlich die Ursache für die Grandiosität dar. Intrapsychisch (nicht gezeigte Verhaltensweisen, wie Gedanken und Gefühle) wehren sich Narzissten konstant gegen negative Aspekte der Selbstrepräsentation. Sie verfälschen also alle eingehende Informationen, die sie in einem schlechten Bild darstellen lassen könnten und unterdrücken negative Selbstwertgedanken. Sie arbeiten also intensiv, um sich selbst ihr Bessersein zu erklären. Warum tun sie das? Wenn sie wirklich an ihr Bessersein glauben würden, sollte das Ganze doch vollkommen unnötig sein?

Der Grund ist, letztendlich glauben Narzissten nicht wirklich, dass sie so toll sind. Das Gegenteil ist der Fall. Sie haben ein so geringes Selbstvertrauen, dass sie, sobald sie ihre Selbstüberhöhung nicht mehr erhalten können, in ein tiefes Loch fallen (Pincus & Lukowitsky, 2010). Die Suizidrate unter Narzissten ist mit 8% (Ritter & Lammers, 2007) weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt mit ca. 0,01%. Suizid ist unter Narzissten also 800 Mal wahrscheinlicher als im Bevölkerungsdurchschnitt!

Die Selbsterhöhung können Narzissten nicht mehr erhalten, wenn sich die Realität zu stark von dem Selbstbild unterscheidet. Man kann hier auch von Attacken auf das Selbstbild sprechen, ausgehend von der Realität (Pincus & Lukowitsky, 2010). Mit dem Ende der Selbsterhöhung startet für Narzissten eine große psychische Krise – ihr Weltbild zerfällt. Nun ist das Leben bekannt dafür, oftmals nicht den eigenen Vorstellungen entsprechend zu verlaufen. Über die Jahre müssen viele Rückschläge verarbeitet werden. Je älter, desto mehr, da der eigene Körper mit der Zeit abbaut und man zu immer weniger in der Lage ist. Eine enorme Diskrepanz zwischen Einbildung und Realität ist damit beinahe vorprogrammiert. Somit ist die große psychische Krise bei Narzissten sehr wahrscheinlich, was die enorm hohe Suizidrate erklärt.

Ursachen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Es existieren unterschiedliche Modelle zur Entwicklung von Narzissmus. Hierbei wird meist davon ausgegangen, dass eine dysfunktionale Interaktion mit primären Bezugspersonen vorliegt (Lammers et al., 2013). Das heißt, dass das Verhältnis des Kindes zu seinen Eltern schlecht ist bzw. narzisstische Verhaltensweisen fördert.

Laut Kernber entwickle sich Narzissmus als Bewältigungsversuch von starken Einbrüchen des Selbstwertgefühls. Ein kühler, gleichgültiger und latent aggressiver Erziehungsstil führe zu der Entwicklung von Angst, Hilflosigkeit und Traurigkeit beim Kind. Als Flucht vor diesen Gefühlen fokussiert sich das Kind auf Aspekte der eigenen Person, die solange sie positiv sind die negativen Gefühle fernhalten (Lammers et al., 2013). So würde sich auch erklären, warum Attacken auf das Selbstbild bei Narzissten schnell zerstörerische Wirkung haben. Kann sich der Betroffene nicht mehr auf positive Aspekte konzentrieren, kommt die tiefe Angst und Traurigkeit hoch. Narzissmus wäre in diesem Fall letztendlich eine Schutzmaßnahme der kindlichen Psyche, die auch im Erwachsenenalter erhalten bleibt.

Benjamin sieht die Ursache der narzisstischen Persönlichkeitsstörung in Eltern, die sich den Bedürfnissen des Kindes unterwerfen jedoch gleichzeitig mit Enttäuschung und Verachtung auf die Unzulänglichkeiten des Kindes reagieren (Lammers et al., 2013). Dieser Theorie nach, führt also der Versuch den elterlichen Ansprüchen zu genügen zu einer über die Maße unrealistisch guten Selbstbewertung.

Therapie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Es existieren keine umfassenden empirischen Studien über die Wirksamkeit unterschiedlicher Behandlungsmethoden bei Narzissmus. Empfehlungen, welche Therapieform am Wirksamsten ist, können entsprechend nicht gegeben werden. Allerdings ergaben Untersuchungen, dass bestimmte Lebenserfahrungen die Symptomatik verbessern und auch verschlechtern können (Lammers et al., 2013).

Zu allererst würden Erfolgserlebnisse helfen. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Erfolgserlebnisse die Diskrepanz zwischen Realität und Selbstkonzept reduzieren. Ein Betroffener müsste sich also nicht ganz so zwanghaft das eigene Bessersein einbilden.

Eine weitere hilfreiche Lebenserfahrung seien positive Beziehungserfahrungen. Es kann angenommen werden, dass diese zu einem verbesserten Selbstwertgefühl führen, was sich entsprechend positiv auf die Symptomatik auswirkt, da das geringe Selbstwertgefühl von Narzissten ein Hauptgrund für die Entwicklung der Störung darstellt.

Schließlich sei das Erlernen einer angemessenen und realistischen Selbstwahrnehmung heilsam. Narzissmus beruht zu großen Teilen auf einer extremen Selbstaufwertung, eine realistischere Selbstwahrnehmung reduziert entsprechend die ungerechtfertigte Aufwertung.

Negativ hingegen wirkt sich auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung berufliches Versagen aus. Insbesondere wenn die Schulbildung eigentlich hoch ist, dissoziale bzw. antisoziale Züge vorliegen oder Drogen, wie Alkohol oder härtere Suchtmittel konsumiert werden.

Literaturverzeichnis

Lammers, C.-H., Vater, A. & Roepke, S. (2013). Narzisstische Persönlichkeitsstörung. Der Nervenarzt, 84 (7), 879–888.

Pincus, A. L. & Lukowitsky, M. R. (2010). Pathological narcissism and narcissistic personality disorder. Annual review of clinical psychology, 6, 421–446.

Ritter, K. & Lammers, C.-H. (2007). Narzissmus-Persönlichkeitsvariable und Persönlichkeitsstörung. PPmP-Psychotherapie· Psychosomatik· Medizinische Psychologie,